Warum wir unsere Zeitung „Artikel Eins“ nennen
Wir Redakteure dieser Zeitung wollen unser Grundgesetz in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen. Wir beziehen uns besonders auf den Artikel Eins: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe jeder staatlichen Gewalt.“
Große Worte. Wie sind sie zu fassen im täglichen Leben? Einer von uns las in einem alten Gasthaus auf umlaufenden Holzbalken unter der Decke einen Spruch, vor Jahrhunderten eingekerbt: „Ein Mann ohne Pflicht – ein Wicht, ein Mann ohne Recht – ein Knecht. Einer mit Pflichten und Rechten – einer von den echten.“ Auch ein Mensch von heute will nichts geschenkt haben. Er will sich sein Leben erarbeiten. Er möchte seine Arbeit mit Freude ausführen, weil er davon leben kann und weil sie ihn befriedigt. Erfüllt ihn seine Arbeit in dieser Weise, fragt er wenig nach Feierabend, Alter und Geld. Beneidet nicht im Grunde seines Herzens ein jeder Mensch den Künstler, der noch im hohen Alter sein Publikum begeistert und deshalb mit Freude auf der Bühne steht? Wird der alte Meister nicht gern dem Ruf aus seinem Werk folgen, weil ein schwieriges Problem den Rat des Rentners braucht? Wird er dann lange feilschen um den Lohn?
Die Würde des Menschen liegt in seiner Arbeit. „...Sie zu achten und zu schützen ist Aufgabe jeder staatlichen Gewalt...“ Arbeit, wie wir sie heute kennen und als solche bezeichnen, schafft „die Wirtschaft“. Solche Arbeit ist nicht immer so geartet, wie wir sie vorhin beschrieben. Arbeit wird oft als Ausbeutung des Arbeitenden empfunden und befriedigt nur einen Teil der Menschen. „Die Wirtschaft“ benötigt diese Arbeit nur als „Humankapital“ und entledigt sich dieses „Kapitals“, wenn Rationalisierung das ermöglicht. Arbeit, wie wir sie heute kennen, dient nicht der Erhaltung der Würde des Menschen. Sie wird von „der Wirtschaft“ verstanden als eine beliebige Maschine – profitabel ausbeutbar zur Gelderzeugung, weg zu werfen, wenn sie diese Funktion nicht mehr genügend erfüllt. Muss das so sein? Ist das zu ändern?
Wir haben es im Artikel Eins des Grundgesetzes mit zwei Tätigkeitsfeldern zu tun: Mit „der Wirtschaft“ und mit dem Staat; denn „die Wirtschaft“ stellt nach heutigem Verständnis die Arbeitsplätze zur Verfügung. Der Staat wacht über die Regeln, nach denen dies geschieht. Schauen wir uns die tägliche Praxis „der Wirtschaft“ an, wie sie „Arbeitsplätze schafft“, dann erkennen wir: Dies ist nicht das Ziel ihres „Wirtschaftens“! Ihr Ziel ist Geld und Profit. Arbeitsplätze sind ihr dazu Mittel und somit eigentlich Nebensache. (Vollmundige Erklärungen, dass es anders sei, ändern nichts an den realen Fakten.) Kein Unternehmer kann es sich unter den herrschenden Bedingungen leisten, vorrangig „Arbeitsplätze zu schaffen“ – der heutige Markt wird ihn mit verminderter Wettbewerbsfähigkeit strafen! Nein, die heutigen Bedingungen zwingen ihn dazu, wenig Arbeitsplätze und diese mit wenig Lohn anzustreben. Die Folge sind die „Reformen gegen uns“ – eigentlich Klassenkampf der Besitzenden gegen die Abhängigen – so ist es, auch wenn diese Worte von den Medien tunlichst verschwiegen werden! Weil das so ist, werden wir von „Artikel Eins“ zuerst und immer auf der Seite der Benachteiligten der Gesellschaft stehen. Denn sie haben alle gegen sich: „die Wirtschaft“, die von Lobbyisten „der Wirtschaft“ beherrschten Medien und den von Lobbyisten gelenkten Staat.
Wir sind weit entfernt, „die Wirtschaft“ als Einheit und die dort leitenden Menschen als „Klasse“ anzusehen. Ihr täglicher Konkurrenzkampf untereinander lässt sie wie in einem immer währenden Krieg erscheinen. Dieser Krieg bringt mit sich, dass immerfort „Verlierer der Marktwirtschaft“ in die Klasse der Besitzlosen hinab gestoßen werden. Konkurrenzkampf im Markt, wie er heute geführt wird, kennt nur kurzfristige Zielstellungen. Es gibt nicht wenige Menschen auch in Unternehmerkreisen, welche die Gefahren für langfristige Entwicklungen erkennen und auch mahnend ihre Stimme erheben, oder sich bemühen, anders als „der meanstream“ zu handeln – sie werden leider kaum gehört. Sie sind unsere potenziellen Verbündete, auch wenn sie selber das heute gar nicht glauben oder hören wollen.
Und was hat der Staat dabei zu tun? Bedienen wir uns eines Bildes, eines Gleichnis. Man spricht in unseren Medien vom Wettbewerb, wenn man den Konkurrenzkampf meint. Was zeichnet den Wettbewerb aus im Sport? Ein Kurzstreckenläufer läuft in Bahnen, damit er den Nachbarn nicht rempelt. Es gibt Regeln und Schiedsrichter, welche die Fairness der „Wettbewerber“ überwachen. Der Zuschauer, der Fan, der „Konsument“ und der Sportler wollen Freude haben an der Leistung, dem Sieg, nicht am Tod des Unterlegenen wie zu den Gladiatorenkämpfen im alten Rom. Ist der Staat nicht die Einrichtung, den Konkurrenzkampf der Konzerne zu einem wahren „Wettbewerb“ zu formen? Muss er nicht die Grenzen setzen, damit der Markt menschlich wird, die „Konsumenten“ und die „Mitarbeiter“ Freude haben an der Leistung ihres Betriebes? Natürlich ist das heute nicht so, der Staat kümmert sich um die Krümmung der Bananen, doch der Konkurrenzkampf soll „frei sein von jeder Einmischung und Beschränkung“ – ist das nicht die Fahne des heutigen Neoliberalismus? Ist das nicht das heute praktizierte Faustrecht, welches unter „dem Druck der Globalisierung“ unumgänglich sei? Das ist die Demagogie des heutigen „meanstreams“. Diesen Wortverdrehungen und solchem Handeln müsste der Staat entgegen treten zum Nutzen seiner Bürger. Das fordern wir ein von ihm, denn dies wäre seine Aufgabe, wenn er die Worte des Artikels Eins wirklich umsetzen will: „...Sie (die Würde des Menschen) zu sichern und zu bewahren ist Aufgabe jeder staatlichen Gewalt.“
Weil diese Dinge alle in unserem Denken zusammen gehören sollten, werden wir Redakteure und Mitarbeiter der Zeitung „Artikel Eins“ nicht dabei stehen bleiben, dass die Dinge verschwinden müssen, die heute die Ärmsten der Gesellschaft (aber nicht nur sie) bedrücken. Wir werden dem „...so nicht!“ folgen lassen „...aber so!“ Da wird es viele Ideen geben, wie es anders als heute zu machen sei, „...die Würde des Menschen...zu sichern und zu bewahren...“! Wir wollen anregen zu Gedanken, welche die breite Masse des Volkes erreichen können. Das Volk muss solche Gedanken der Veränderungen tragen und sie auch gestalten. Wir dürfen das nicht irgendwelchen Parteien oder Heilsbringern überlassen, aus denen sich in der Vergangenheit immer am Ende Diktatoren heraus hoben und sich der Macht bemächtigten, und die stets gläubige Akteure der Bewegung um die Früchte ihrer Aufopferung betrogen.
Nicht Kapitalrendite (wie heute in „der Wirtschaft“), sondern der Mensch ist Nummer eins für „Artikel Eins“. Wir fühlen uns dabei einer langen Tradition verpflichtet. Frei nach Schiller möchten wir allen Menschen sagen, die nach dem Grundgesetz verpflichtet sind zu handeln:
Wenn ihr ihm Würde verheißt, so gebet ihm Arbeit. In freier Arbeit erweist sich die Würde des Menschen.
Sie steht ihm von Geburt an zu.
Klaus Buschendorf im Auftrag der Redaktion von „Artikel Eins“ (unter Mitarbeit von Dr. Rainer Thiel und Verwendung von Gründungsmaterial von Holdger Platta)
Veröffentlicht in der Internetzeitung www.artikel-eins.com